Zug, Aus, Ende

Wie einige von Euch sicher bereits wis­sen, pen­dele ich regel­mä­ßig im Rhein-Main-Gebiet. Nor­ma­ler­weise achte ich dabei kaum noch auf die Durch­sa­gen der Zug­be­glei­ter, da man als Pend­ler sowieso weiß wann und wo man aus­stei­gen möchte.
Da ich zudem noch ein außer­or­dent­li­cher Fan des oben­ge­nann­ten Kolum­nis­ten bin und der­zeit die zweite Folge der „trau­ri­gen” Geschichte des ster­ben­den Geni­tivs lese, ach­tet man aber ver­mut­lich beson­ders auf die Wir­run­gen der deut­schen Spra­che.
So auch bei der bereits ange­deu­te­ten Ansage in der Bahn. Dort erklingt nicht sel­ten der Hin­weis, wel­chen Bahn­hof der Zug als nächs­ten anfährt, auf wel­cher Seite man aus­zu­stei­gen hat usw.
Im Grunde gibt es da auch wenig aus­zu­set­zen.
Nur daß es bei der Ansage der End­sta­tion im Frank­fur­ter Haupt­bahn­hof eine sprach­li­che Unschön­heit gibt.
Unlängst erklärte man den Fahr­gäs­ten: „Nächs­ter Halt: Frank­furt am Main, Haupt­bahn­hof. Der Zug endet hier. Bitte alle Fahr­gäste aus­stei­gen.„
Schon oft gehört, doch sel­ten so bewußt wie die­ses Mal wahr­ge­nom­men, klin­gelte die­ser Satz unan­ge­nehm in mei­nen Ohren nach.
Was heißt eigent­lich „endet hier”?
Ich dachte, der nächste Halt sei Frank­furt Haupt­bahn­hof?
Wenn die Züge ab und zu ohne erkenn­ba­ren und genann­ten Grund zwi­schen den Bahn­hö­fen hal­ten, ist das nicht unge­wöhn­lich. Gewöhn­lich fah­ren diese jedoch nach unbe­stimm­ter Zeit wei­ter und nie­mand ist gezwun­gen aus­zu­stei­gen. Mit­ten auf der Stre­cke.
In die­sem Fall kann aber etwas nicht ganz stim­men. Und es war dies­mal keine Ver­spä­tung, son­dern eher das vom Zug­be­glei­ter ver­wen­dete Lokal­ad­verb. Genau­ge­nom­men wäre es kor­rekt und nur ange­mes­sen, wenn der Zug „dort”, näm­lich im ange­kün­dig­ten Haupt­bahn­hof zum Ste­hen kom­men würde.
Zum Glück für alle Fahr­gäste war es dann auch so.
Doch damit war für mich die Ver­wir­rung nicht zu Ende. Wie hieß es doch gleich: „Der Zug endet hier.” — Par­don — „Der Zug endet dort.„
Soll das etwa hei­ßen, wir saßen in einem Wrack, das es gerade bis zu sei­nem Ziel schaffte, um dann in aller Würde das Zeit­li­che zu seg­nen?
War hier womög­lich „ver-enden” gemeint? Obwohl man dies eher bei Tie­ren sagt.
Mich schau­derte es.
Daß viele Züge der Bahn zumin­dest optisch kurz vorm Aus­schlach­ten zu sein schei­nen, ist ver­mut­lich auch nichts Neues. Sollte der Kos­ten­druck bei der Bahn wirk­lich so groß sein, daß man die Züge bis zum „z-erbrechen” fah­ren läßt?
Das wäre schon glatt fahr­läs­sig.
Doch auch das kann mit der Ansage nicht gemeint sein.
Ob der Zug „hier” oder „dort” (im Frank­fur­ter Hbf) sein „Ende” und am Abfahrts­ort sei­nen „Anfang” hat ist auch eher absurd, wäre das Gefährt dem­nach so lang, daß ich in Mainz ein­ge­stie­gen wäre, um dann per pedes durch den gesam­ten Zug bis zum Ende zu gelan­gen. Na, da nehme ich doch lie­ber das Auto.
Nein. Hier han­delt es sich mei­nes Erach­tens um eine wei­tere „ver­un­glückte” For­mu­lie­rung.
Ich denke kor­rek­ter wäre es, wenn „die Fahrt” (des Zuges) oder „die Reise” (der Fahr­gäste) „endet”.
Alles in allem klingt es doch viel bes­ser: „Nächs­ter Halt: Frank­furt am Main, Haupt­bahn­hof. Die Fahrt endet dort.„
Was mich „letzt­end­lich” beson­ders betrof­fen machte, ist die Tat­sa­che, daß die Ansage eine auto­ma­ti­sierte Auf­zeich­nung und nicht ein mög­li­cher­weise ein­ma­li­ger sprach­li­cher „Faux­pax” des leib­haf­ti­gen Zug­be­glei­ters war.
Noch schmerz­li­cher berührt es mich, diese Aus­sage auch an den Anzei­ge­ta­feln auf den Glei­sen zu lesen: „Zug endet hier. Bitte nicht ein­stei­gen.„
Es feh­len mir die Worte, daher: „Die Kolumne endet hier. Bitte alles ausschalten.”

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