Todeszone

Mach’ die Tür zu, sonst geht die Wärme ver­lo­ren, die wir mit unse­ren Kör­pern pro­du­zie­ren”, rief ich dem Neu­an­kömm­ling ent­ge­gen, „Und setze Dich zu uns.„
Wir ande­ren, die schon eine Weile hier waren, saßen dicht zusam­men­ge­drängt um ein win­zi­ges Lager­feuer, daß wir zwi­schen Hal­tes­tan­gen und Sit­zen ent­facht hat­ten. Das Feuer wurde von Fahr­kar­ten, alten Ein­kaufs­be­le­gen und sons­ti­gen brenn­ba­ren Mate­ria­lien aus unse­ren Taschen gespeist. Einer von uns opferte sogar einen Brief sei­ner Liebs­ten und eine Dau­er­karte für die Spiele des 1. FC Kai­sers­lau­tern. Mit kur­zem Zögern betrach­tete er beide Papiere und warf sie seuf­zend mit den Wor­ten „es ist ja eh vor­bei” in die klei­nen Flam­men.
Der Neue warf uns einen ver­stör­ten Blick zu und ging wort­los an uns vor­bei, um auf einen der hin­te­ren Plätze zu gelan­gen. Er schüt­telte den Kopf, als wir ihn erneut baten sich zu uns zu set­zen. Jeder ist sich sei­nes Glü­ckes Schmied, doch in die­ser Situa­tion muss­ten wir alle zusam­men­hal­ten.
Wie die Pin­guine wärm­ten wir uns gegen­sei­tig. Die Situa­tion hatte uns zusam­men­ge­führt. Nur gemein­sam konn­ten wir der Kälte trot­zen.
Der Fah­rer dage­gen hatte es warm. Er grinste uns durch den Rück­spie­gel ent­ge­gen. Wie des Teu­fels Fratze spie­gelte er sich wider. Wir waren ihm aus­ge­lie­fert, doch wir schmie­de­ten ein Kom­plott. Wir muss­ten nur unser Ziel errei­chen, dann kam unsere Zeit.
Ein­zig der Fremde, der sich nicht zu uns set­zen wollte, hatte keine Chance. Am Ende der 20-minütigen Bus­fahrt zwi­schen Für­feld und Bad Kreuz­nach war die Bilanz düs­ter. Zwei erfro­rene Zehen, eine erfro­rene Nase, Trä­nen, ein Toter und von den psy­chi­schen Schä­den ein­mal abge­se­hen. Aber wir waren geret­tet. Wir erschlu­gen den Fah­rer und aßen ihn. Nicht aus Hun­ger. Aus Rache.
Und nächs­tes Jahr besteige ich den Mount Ever­est.
Ich bin bereit.

Deine Meinung

Deine Emailadresse wird weder veröffentlicht, noch an Dritte weitergegeben.