Eingekreist

Ich bin überzeugt, dass die Erde nicht die einzigen Lebewesen im Universum beheimatet.

Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass da draußen irgendwo sogar intelligente Vertreter des Lebens existieren. Dass darunter sogar welche sind, die intelligenter sind, als manche Menschen es von sich glauben, sehe ich sogar als gesichert an.

Der Beweis dafür und wie mit solchen Intelligenzen in Kontakt zu treten ist, wurde unlängst auf Pro7 gezeigt. Dafür inszeniert man eine in der Art einer Benefiz-Gala veranstaltete Live-Sendung, die mit großen Brimborium den Versuch wagt, mit anderen Planeten Kontakt aufzunehmen. Als Moderatoren engagiert man einen Besteck-Experten flankiert von einem Ufo-Spezialisten und einer betagten Kitsch-Punkerin und die Troika der deutschen Übersinnlichen- und Außerirdischen-Szene ist komplett, die dann durch die Sendung und das Publikum an der Nase herum führen.

Mit spektakulärem jüdischem „Shalosh“ werden Signale dann telepathisch und nebenbei ganz konventionell über ein Radioteleskop in die unendlichen Weiten geschickt. Damit die Zuschauer mit Interesse und Begeisterung der Sendung vollständig folgen, dürfen diese per Direktverbindung ins Studio eigene Nachrichten einreichen. Diese brauchen dann nur noch darauf zu warten, dass sie von ETs Verwandten, Alf oder den Vulkaniern passende Antworten erhalten oder sich gar wünschen von krakenähnlichen Tentakel-Wesen entführt zu werden.

Um dem ganzen Zirkus den Anstrich von Wissenschaftlichkeit zu geben, platziert man im Studio noch einen sogenannten Astrophysiker, der mit seinem Laptop kompetenzheuchelnd und mit pseudowissenschaftlichen Thesen die nötige Sachlichkeit suggeriert. Außerdem läßt man einen Feldkorrespondenten in irgendeinem Rechenzentrum irgendeines Radioteleskops herumhüpfen und mit viel Gedöns, Sirenengeheul und Fortschrittsbalken an Computerbildschirmen die Nachrichten ins All strahlen. Um dem ganzen noch den Flair der 60er und 70er Jahre zu verpassen, wird die Einrichtung der Anlage zeitgenössisch eingerichtet und die Bildübetragungen mit passendem Rauschen unterlegt.

Das Ganze funktioniert aber auch weitaus subtiler.

In Bad Kreuznach wird z.B. das kommunale Verkehrssystem in eine Nachricht für Außerirdische umgewandelt. Im gesamten Stadtgebiet werden nämlich sukzessiv alle Kreuzungen der Stadt zu Verkehrskreiseln umfunktioniert. Analog den berüchtigten Kornkreisen, könnte das Straßennetz aus der Vogelperspektive einer fremden Art, die Zeit, Kosten und Mühen nicht gescheut haben unseren Planeten zu besuchen, in irgendeiner Form eine Nachricht signalisieren. Oder sogar als Landebahnen dienen.

Zumindest ist das für mich die einzig plausible Erklärung für die vielen Baustellen, denn ich halte es für unwahrscheinlich, dass die Verkehrsinfrastrukturverantwortlichen die Stellung Bad Kreuznachs als Kreisstadt einfach nur missverständlich interpretieren. Und wirklich praktisch im verkehrstechnischen Sinne, sind die meisten dieser Kreisel nicht.

Bei reichlicher Überlegung fürchte ich aber, dass jegliche derartige Bemühungen, aktiv Kontakt aufzunehmen, wohl solche Wesen eher davor abschreckt hier zu landen. Für kosmische Besucher könnte all das Gebahren extrem debil oder krankhaft wirken. Und sollten diese Wesen tatsächlich so schlau sein, dass sie sogar bis hierher fliegen können, dann werden sie auch unbemerkt lieber den nächsten bewohnten Planeten ansteuern. Womöglich aus Angst sich anzustecken. Wäre auch nicht das erste Mal, dass so etwas passiert ist. In den 50er Jahren sind außerirdische Invasoren bereits von einer simplen Erkältung dahingerafft worden. Im Ernst. Das wurde damals sogar live im Radio übertragen.

Wie dem auch sei. Ich für meinen Teil würde statt Nachrichten lieber Uri Geller, Nina Hagen, Erich van Däniken und das gesamte Verkehrsdezernat der Kreisverwaltung Bad Kreuznach ins All geschickt sehen. Das wäre zumindest wirklich erfolgversprechend.

Nanno, Nanno. Lebe lang und in Frieden.

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