Smalltalk und die fünf Killermethoden

Es gibt viele Dinge, die ich nicht mag. Wem geht das nicht so. Doch unter all diesen gibt es eines, das ich ganz besonders nicht leiden kann: den Smalltalk.

Mal ehrlich, was will man damit eigentlich bezwecken?

Manch einer, der einen sogenannten „Kommunkations-Workshop“ absolvierte wird nun sagen, damit „leitet man längere Gespräche ein“ oder „man bricht damit das Eis“. Verkaufsprofis würden sicher nicht laut behaupten, daß sie Smalltalk nur zum Ködern verwenden, um dann zum „wesentlichen“ Teil ihrer eigentlichen Absicht zu kommen, nämlich jemanden etwas „aufzuschwatzen“.

Natürlich mache ich es auch, hauptsächlich aus Höflichkeit. Ich verstehe jedoch nicht, wieso erwachsene Menschen nicht gleich offen aufeinander zugehen und direkt sagen, was sie wollen. Ohne Vorgeplänkel. Im Grunde ist es in den entsprechenden Situationen sowieso klar, worauf der „Gelegenheitsplausch“ hinaus will.

Spricht ein Durchschnitts-Mann eine hübsche Frau auf einer Party an, ist doch ganz eindeutig was dieser möchte. Er muß dabei schon ein sehr geübter Small-Talker sein, denn die plumpen „Kennen-wir-uns-nicht“- oder „Habe-Sie-verwechselt“-Sprüche sind längst so abgedroschen, daß kaum eine vernünftige Frau darauf noch antwortet.

Die flache Wortverschwenderei wird natürlich nicht nur zur Einleitung größerer Gespräche oder zum Kennenlernen verwendet, sondern einfach nur um auf dümmlichste Weise die Zeit totzuschlagen. Und dies ist mit Abstand das gräßlichste, das es gibt. Dabei versucht man Momente zu überbrücken, die man mit anderen Personen gemeinsam zu verbringen gezwungen ist. Meist beim Warten auf irgend etwas. Manche glauben, damit das Warten gefühlt zu „verkürzen“. Oft endet dies jedoch eher in einem peinlichen „Grins-Wettbewerb“, denn oft weiß man ja doch nicht so richtig, was man sagen soll und die erlösende Rettung, nämlich das auf was man wartet, erscheint dann doch nicht schneller.

Bestes Beispiel ist diese von vielen ähnlichen Situationen im Wartezimmer beim Zahnarzt:

„Und warum sind Sie hier?“

„Ich habe eine Plombe verloren. Und Sie?“

„Meine Brücke wackelt so.“

„Achso, mmh, ja ja.“

„Ja, so ist das.“

Und beide lachen verhalten oder grinsen sich verständnisvoll an, seufzen und schauen wieder aneinander vorbei.

Was soll das denn?

Wohl kaum jemand interessiert sich tatsächlich für das Leid des anderen. Na ja, sicher gibt es Ausnahmen, aber bestimmt nicht im Wartezimmer eines Arztes. Da hat man doch selbst genug eigene Sorgen, sonst wäre man nicht beim Arzt. Und außerdem, wieso sollte ich denn anderen Leuten von meinen gesundheitlichen Problemen erzählen? Das geht niemanden etwas an. Also, solche Smalltalks sind somit reine Zeitverschwendung und peinlich auch noch obendrauf.

Und dann diese ewigen Floskeln übers Wetter oder ob es einem „gut ginge“. Mal im Ernst: das interessiert sicher auch niemanden wirklich.

„Na, wie geht’s?“

„Oooch, so la la.“

„Ach ja? Na, bei dem Wetter ist dies sicher auch kein Wunder, was!?“

„Ja ja. Es könnte mal wieder die Sonne scheinen.“

„Das stimmt.“

„Ja.“

„Mmh.“

Informationsgehalt dieses „Gesprächs“ gleich null. Aber Grinsen und „verständnisvolles“ Kopfnicken: 100%.

Ich plädiere für die Abschaffung von Smalltalk. Im Grunde ist es ganz einfach. Statt sich auf dieses Niveau eines „Nebenbei-Plausches“ einzulassen, heißt es einfach „Konfrontation“. Man sollte solch beiläufiges Geplauder im Keim ersticken.

Dafür haben sich die fünf „Smalltalk-Killer-Methoden“ bewährt. Auch bekannt als

The Five Techniques of Sudden Death

Ein Möglichkeit ist

Das Unerwartete Gegenteil

(The Unexpected Converse)

Man sagt im Grunde genau das Gegenteil, was der Gesprächspartner erwartet. Dies funktioniert zum Beispiel sehr gut bei den üblichen Wetterfloskeln:

„Das Wetter ist heute mal wieder total klasse.“

„Was soll an dem Wetter klasse sein? Ich finde es total beschissen. Ist doch viel zu heiß.“

Und schon ist dem Sprecher der Boden unter den Füßen weggezogen, denn er geht strikt davon aus, daß jeder sonniges Wetter schön findet. Die wenigsten werden auf solche Antworten die Lust verspüren, das Gespräch weiterzuführen. Und Du hast Deine Ruhe. Natürlich funktioniert dies auch umgekehrt bei schlechtem Wetter.

Die zweite Methode ist die Strategie der

Peinlichen Situation

(The Embarrassing Situation)

Man bringt sich selbst oder am besten andere in eine peinliche Situation und schon ist man raus aus dem Smalltalk.
Zum Beispiel im Zugabteil:

Ich zum Gegenüber: „Na, wohin fahren Sie?“

„Nach Frankfurt.“

„Oh, äh, dieser Zug fährt nicht nach Frankfurt. Der Zug, in dem Sie sitzen sollten, fuhr am Bahnsteig gegenüber.“

Und schon ist der andere so damit beschäftigt, daß er im angeblich falschen Zug sitzt, daß keine sinnlosen Plaudereien zustande kommen. Das ist natürlich gemein, also kann man diesen Trick ebenfalls umgekehrt anwenden, wenn man keinen Ärger bekommen möchte:

Mein Abteilnachbar: „Wohin fahren Sie?“

„Nach Koblenz.“ (das ist natürlich gelogen!)

„Oh, äh. Wir fahren aber nach Frankfurt. Sie sitzen wohl im falschen Zug.“

Dann einfach aufspringen, „Ach, du liebe Scheiße“ rufen und sich ein anderes am besten leeres Abteil suchen. Der andere grinst sich nun sicher eins, das kann Dir jedoch egal sein, denn Du hast Deine Ruhe.

Eine weitere Technik,

Die Vorgetäuschte Tatsache

(The Faked Fact)

Sie funktioniert besonders auf Partys auf denen man auch unbekannte Persönlichkeiten antrifft, die einen gerne in Gespräche verwickeln wollen.

„Hallo, woher kennen Sie den Gastgeber?“

„Ach, wir waren mal Zellennachbarn im Hochsicherheitstrakt der Justizvollzugsanstalt. Er war im Knast derjenige, der alles besorgen konnte. Und Sie?“

Wenn man diese Antwort sehr ernst mit einem grimmigen Gesichtausdruck vorträgt, kann man seinen Gegenüber so verunsichern, daß dieser lieber schnell das Weite sucht. Wenn der Gastgeber dann auf diese Aussage angesprochen wird, könnte man unter Umständen von weiteren Partys ausgeschlossen werden, was ein durchaus erwünschter Nebeneffekt ist.

Eine andere Variante ist die Frage nach dem Beruf:

„Was machen Sie denn so beruflich?“

„Ich bin Leichenwäscher im gerichtsmedizinischen Institut.“

Wenn man dann noch die Hand zum Gruß entgegenstreckt, ist dieses Thema bereits totgelaufen, bevor es so richtig lebendig wurde. Auch hier funktionieren wieder die unterschiedlichsten Berufe und Berufungen. Zum Beispiel: Müllmann, Kanalreiniger, Steuerfahnder und viele ähnliche. Natürlich können auch klassische Berufe wie Bankkaufmann oder Finanzbeamter herhalten, denn die sind (aus meiner Sicht) so langweilig, daß kaum jemand darauf näher eingehen möchte.

Oder man beginnt sofort mit Fachsimpelei, die der andere sowieso nicht versteht, dann gibt derjenige schnell auf. Der amerikanische Schauspieler Bill Murray demonstriert dies gemäß seiner Rolle als sarkastischer Fernsehmeteorologe eindrucksvoll in einer kleinen Szene in „Und täglich grüßt das Murmeltier“, als seine Hotelwirtin ihn auf das Wetter anspricht.

Die vierte Variante ist die des

Schlechten Geschmacks

(The Bad Taste)

Dabei versucht man den Ekel des Gegenübers zu provozieren. Dies funktioniert ganz gut in Wartezimmern von Ärzten:

„Weshalb sind Sie hier?“

„Das ist so eine delikate Sache mit meinem künstlichen Darmausgang. Der Auffangbeutel sitzt nicht immer richtig, so daß gerne mal was daneben geht. Wollen Sie es mal sehen?“

Ein echter Smalltalk-Killer.

Die fünfte und wohl ausgereifteste Technik, im Original als „The Ceaseless Babble“ bezeichnet, ist die durch das Comedy-Duo „Badesalz“ bekannt gewordene

Hessi-James-Methode

Dabei beginnt man einfach mit einem Redeschwall, daß der andere überhaupt keine Chance mehr auf Gegenwehr hat.

Aber Vorsicht!

Diese Technik sollte man vorher gut trainieren, denn sie kann als todbringende Waffe eingesetzt werden. Zumindest soll sie schon zu manchem Hörsturz geführt haben. Daher sollte es nur als letztes mögliches Mittel eingesetzt werden.

Du willst Deine „kleinen Gesprächspartner“ nur vertreiben und nicht umbringen, oder!?

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