Herbstliche Albträume

Es ist schon erstaun­lich, wie sehr doch immer mehr Men­schen hier­zu­lande angel­säch­si­sche Tra­di­tio­nen und Gebräu­che zele­brie­ren. Im Grunde ist es in Ord­nung, wenn auch in Deutsch­land Kür­bisse se– und ver­ziert wer­den, um dann auf Bal­ko­nen, Veran­den und Fens­ter­bän­ken mit Innen­be­leuch­tung vor sich hin zu fau­len.
Wenigs­tens gefällt es den „klei­nen Mons­tern”, die am 31. Okto­ber abends durch die Stra­ßen lau­fen, mit ihren Gru­sel­mas­ken so man­chem Rent­ner die erste Todeser­fah­rung leh­ren und von Tür zu Tür nach „Süßem” ver­lan­gen unter Andro­hung, daß es „Sau­res” setzt, wenn Erwach­sene der Mei­nung sind gesun­des Obst sei bes­ser für die Klei­nen.
Wie gerne würde ich diese For­de­rung ein­mal falsch ver­ste­hen und „Sau­res” wie Gur­ken oder Kefir in die klei­nen Säck­chen wer­fen. Doch scheue ich die krea­tive Rache klei­ner Pla­ge­geis­ter, die mir danach bestimmt die Hölle einen gemüt­li­chen Ort erschei­nen lassen.

Doch getrübt wird der mor­bide Spaß mit leben­den Toten, blut­rüns­ti­gen Vam­pi­ren und Wer­wöl­fen mal wie­der von der All­macht des Ein­zel­han­dels. Wochen vor dem Tanz der Teu­fel und Dämo­nen stol­pert man zwi­schen den voll­ge­stopf­ten Rega­len über aller­lei Deko­ra­tio­nen und Mas­ke­ra­den für den kel­ti­schen Sam­hain. Über­all grin­sen spitze Zähne, ver­zerrte Frat­zen und bepelzte Krea­tu­ren. Und vor allem: Kür­bisse, wohin das Auge reicht.

Alb­traum­haft ist man umringt von dem oran­ge­far­be­nen Gemüse. In allen erdenk­li­chen Grö­ßen und For­men, wobei Later­nen noch das nahe­lie­gendste sind, gibt es Kür­bisse und Kürbisdekorationen.

Und nicht nur zur Ver(un)zierung der Heim­statt, son­dern nahezu jedes nur denk­bare Pro­dukt ist in der „vor­hal­lo­wee­nen” Zeit bedruckt oder beklebt mit Kür­bis­sen.
Wie bei jedem ande­ren Fest, ob tra­di­tio­nell oder neu­zeit­lich, wird ein Sym­bol die­ses Fes­tes pro­fit­träch­tig aus­ge­schlach­tet. Man kommt am Kür­bis nicht vor­bei.
Doch damit ist ab mor­gen wie­der Schluß. Die Kür­bisse haben dann aus­ge­spukt.
Die rest­li­chen Köppe wer­den ihr Licht­lein in den nächs­ten Tagen und Wochen aus­ge­löscht wis­sen und ihr zeit­li­ches Ende in der Bio­tonne finden.

Es sind noch knapp vier Wochen bis zum 1. Advent, jedoch ist kaum der Hor­ror tor­keln­der Zombie-Verschnitte vor­über, droht bereits der nächste Schre­cken, der uns womög­lich wie­der bis zum Drei-Königs-Tag im neuen Jahr heim­su­chen wird. Denn dann heißt es „Bahn frei” für die nächs­ten Fuh­ren „Deko­ar­ti­kel”.
Dem­nächst gehen sie wie­der mas­sen­weise über die Laden­theke. Ich habe in den Werbe-Blättchen diver­ser Dis­coun­ter bereits die Vor­bo­ten der beknack­tes­ten „Festtags-Dekoration” über­haupt gese­hen.
Bald wer­den diese das Bild der Stra­ßen und Häu­ser domi­nie­ren und ver­kün­den, daß schon bald Weih­nach­ten vor der Tür steht.
Bald sieht man sie über­all.
Bald klop­fen sie zu Tau­sen­den an die Fens­ter.
Bald kommt die Zeit der klet­tern­den Weihnachtsmänner.

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