Selbstbedienungs-Journalismus

Die ganze Diskussion um das Urheberrecht, welche im Netz, in der Gesellschaft und der Politik geführt wird, geht mir im Moment ziemlich auf den Geist. Insbesondere, da Meinungen und Aussagen immer häufiger verzerrt, vermischt oder aus dem Kontext gerissen werden. Also im Grunde wie bei allen anderen Themen auch, wenn es heiß und kontrovers zugeht.

Ich habe zwar eine ganz eigene Einstellung dazu, halte mich aber vom verbalen Kampfgetümmel zwischen den einzelnen Meinungsparteien fern. Doch nun geriet ich am Wochenende erneut selbst in den Entscheidungszwang, wie ich mit meinem Urheberrecht bezüglich von mir gemachten Fotos umgehen soll. Ich war und bin verärgert und verunsichert.
Aber kurz zum Hintergrund.

Am Samstag spielte meine Lieblings-Rockband PackEis in Bad Kreuznach im Musikkeller „Dudelsack„. Eine für die Provinz recht bekannte und einschlägige Plattform für junge Musikkünstler aller Art, die damit eine Chance haben, sich einem vergleichsweise „großen“ Publikum zu präsentieren.

Wie dem auch sei, PackEis spielte dort und es war wieder einmal ein großartiges Konzert, der ebenfalls noch recht „jungen“ Band. Mir gefällt es zumindest.
Da ich quasi zum inoffiziellen fünften Bandmitglied zähle, war es für mich erneut eine gute Gelegenheit den Auftritt durch Fotos zu dokumentieren und schoss fleißig Bilder (demnächst auf diesem Kanal).
Am Ende der Veranstaltung – man stand natürlich noch mit kühlen Getränken zum Plausch beisammen – trat ein freier Journalist dazu, der Artikel und Reportagen für die regionalen Zeitungen schreibt. Dieser, so seine Begrüßung, sei wohl zu spät gekommen, obwohl er Material für einen Beitrag sammeln wollte und nun diesen besonders mangels Foto nicht schreiben könne. Weil die Band die potentielle Werbung schwinden sah, wurde dahingehend schnell auf mich verwiesen.

Und nun kam es zu dem Ärgernis.

Der Journalist fragte zwar anfangs freundlich nach, ob ich ihm ein Foto für den Artikel zur Verfügung stellen könne, doch auf meine Bitte zumindest mich als Urheber zu nennen wiegelte er prompt mit einem „das geht partout nicht“ ab. Mir ist bewusst warum, denn sehr wahrscheinlich kann er für ein fremdes, nicht von ihm erstelltes Foto von der Redaktion der Zeitung kein Honorar verlangen. Geschweige denn, müsste er unweigerlich einen mühsamen Nutzungsrechtevertrag besiegeln, welches ihm und vor allem der Zeitung das Recht zu Veröffentlichung einräume. So zumindest nach deutschem Recht.
Dennoch geriet ich hier in einen Interessenskonflikt. Zum einen gönne ich meiner Lieblingsband die potentielle Promo aufgrund eines Artikels in einer Regionalzeitung mit recht hoher Auflage, dennoch wollte ich nicht, dass ein anderer mit meinem Foto stinken geht und dafür sogar noch Tantieme einsackt, während ich leer ausginge. Denn trotz meiner Bedenken kam die Journaille mir mit keiner möglichen Alternative entgegen. Nicht, dass ich unbedingt Geld für mein Foto haben wollte, aber ein vernünftiges Geschäftsgebahren sieht für mich anders aus.
Desweiteren schien er ebenfalls wenig erbaut, dass ich ihm das Foto – wenn überhaupt – frühestens am Abend des Folgetages zur Verfügung stellen könnte. Sichtung, Bewertung, Auswahl und Nachbearbeitung von rund 200+ Fotos, wie sie bei diffusen Lichtbedingungen und der Dynamik eines Rockkonzerts gerne anfallen, um wenigstens ein paar brauchbare zu haben, ist zwar heutzutage mit den passenden Software-Tools keine Mühe mehr, kostet aber Zeit. Und Muttertag war auch noch.
Im Ernst: was denkt sich jemand, der einfach so angeschlurft kommt, das Ereignis verpasst und dann noch mosert, dass er das Foto nicht so bekommt, wie es ihm passt.

Liebe Journalisten, ich hoffe inständig, dass es sich hier nicht um ein Standard-Verfahren handelt. Ich verstehe, dass Journalismus ein Geschäft auf Zeit und Geld ist, aber wie mit Material anderer umzugehen ist, hat doch bitte schön auch mit einer gewissen Ethik zu tun. Ich halte mich nicht für einen Profifotografen, da ich derzeit nur sporadisch meine Leistung als Fotograf mit wirtschaftlichen Interessen verbinde, bin jedoch auch kein Hobbyknipser, der ein paar Schnappschüsse eines Konzerts macht, sondern setze diese mit einem gewissen kreativen Anspruch um. Diese Art und Weise, wie man Fotos anderer erhascht und verwertet, grenzt an „kleine“ Piraterie, da fremde Fotos als die eigenen verkauft werden.

Dies ist womöglich nur ein besonderer Fall, da es mir frei stand ein Foto abzugeben, aber im Sinne der Band die Promotion ermöglichen möchte. Die Fotos dienen im Grunde diesem Zweck, jedoch mehr der „künstlerischen“ Darstellung und weniger der Dokumentarischen.

Für die Band und mich, haben wir nach dieser Aktion ein Verfahren abgesprochen, wie wir in Zukunft damit umgehen. Doch ärgert mich dieses Selbstverständnis des Journalisten sich einfach zu bedienen ohne Möglichkeiten der Vergütung oder ähnlich angemessene Alternativen.
Ich würde es ernsthaft begrüßen, dass es sich hierbei nur um einen Einzelfall handelt, ansonsten wäre das ein Armutszeugnis für den freien Journalismus.

UPDATE 15.08.2012:

Leider ist dies wohl kein Einzelfall und wohl auch gängige Praxis bei den „Großen“, wie Paddy nun ebenfalls leidvoll berichtete.

Meinungen

  1. Kommt mir ein bisschen so vor, als wenn der besagte „freie Journalist“ vielleicht die Sache auch nur als Hobby betreibt?
    Ich will einfach nicht glauben, dass Vertreter einer Berufsgruppe die eigentlich wegen dem täglichen Umgang mit dem Urheberrecht vertraut sein sollten, so mit diesem umspringen…

    — Home , 25. Mai 2012

    • Seiner Visitenkarte nach und der Rücksprache mit Leuten, die ihn kennen, ist er wohl ein „professioneller“ Vertreter seines Berufsstandes. Leider.

      — CFK , 25. Mai 2012