Ein paar Takte zur Konzertfotografie

So vielfältig die Fotografie und ihre Möglichkeiten sind, so vielschichtig ist mein Interesse daran und der blasse Wunsch irgendwie alles damit machen zu wollen. Doch wie im richtigen Leben, kann man sich vom Füllhorn der Inspiration und Kreativtät nur kleine Happen gönnen.

Da sich mir dieses Terrain durch den engen Kontakt mit einer rheinhessischen Rockband derzeit einfach anbietet, ist Konzertfotografie gerade ein Schwerpunkt für mich. Konzertfotografie ist so ein großes Wort, wenngleich die Band für die ich bisher die meisten Aufträge dazu bekomme, noch längst nicht von großen Konzerten reden kann. Obwohl das Potential zu größerem definitiv auf der Hand liegt. Auch in Anbetracht der Fotografen, die wirklich die Chance haben die ganz Großen auf der Bühne zu fotografieren, bin ich diesbezüglich sicher nur ein ganz kleines Licht. Doch das möchte ich nicht unter den Scheffel stellen, denn auch die Großen fingen bekanntlich einmal klein an.
Mir macht es einfach Spaß und ich denke, darauf kommt es am meisten an. Na ja, und dass dem Auftraggeber, in diesem Falle die Band, die Fotos gefallen und sie damit auch ein gutes Promotion-Mittel zur Hand haben.

PackEis - Rabenkopf Open Air 2011

 Konzertfotografie gehört in gewissem Sinne auch zu den größeren Herausforderungen an den Fotografen. Zumal er hier nicht wie im Studio, die Möglichkeiten der Lichtbeeinflussung und -führung hat. Im Gegenteil, man ist derart ausgeliefert, was die jeweilige Location mit sich bringt und der Lichtmixer einem präsentiert. Vorausgesetzt es gibt dafür jemanden.

Nicht, dass Studiofotografie per se einfacher sei, aber die widrigen Umstände, denen man sich im Bühnengraben anpassen muss, ist ungleich schweißtreibender.

Auch wenn man immer wieder über die Technik als jene Komponente diskutiert, die eben nicht alleine das gute Foto ausmacht, ist sie bei der Fotografie einer Bühne und dem dazugehörigen Event keineswegs zu vernachlässigen.
Ich will hier gar nicht groß auf Dinge eingehen, die zuhauf bereits anderweitig in Tutorials und Blogbeiträgen beschrieben und erklärt wurden. Ich möchte hier kurz meine Art der Konzertfotografie beschreiben und begründen, warum ich bestimmte Dinge genau so mache.

Auschlag gab hierzu ein Kommentar der bereits zitierten Journaille, der von mir ein Foto des letzten Auftritts der Band PackEis haben wollte. Auf meine Aussage „ich fotografiere die Band immer ohne Blitz“ wiegte er den Kopf und klugscheißte, dass man „richtig geblitzt“ auch gute Fotos bekäme. Für einen Reporter, der ein bis zwei Motive für einen Zeitungsartikel benötigt, mag das stimmen und in Ordnung sein. Für jemanden, der aber das gesamte Konzert mit der Kamera dokumentieren möchte, ist ein Blitz ein absolutes Tabu. Stellen Sie sich als Musiker vor, der fortwährend aus dem Bühnengraben durch Blitzlichtgewitter aus dem Konzept gebracht wird. Ich hätte diesen Fotografen einmal und nie wieder engagiert.

Big Daddy Wilson 2011

 Und ich bin mittlerweile überzeugt, dass es auch nicht notwendig ist. Das richtige Material vorausgesetzt kommen einige sehr gute Fotos zustande, die Situation und Stimmung nahezu optimal einfangen und damit dem gesamten Auftritt Rechnung tragen.

Als erstes sei hier das lichtstarke Objektiv erwähnt. Je größer die Offenblende, desto besser (nicht für alles und nicht immer, aber das ist ein anderes Thema). Optimal über den gesamten Brennweitenbereich, falls man mit einem Zoomobjektiv fotografiert. Perfekt ist sowieso immer und besonders beim Konzert eine lichtstarke Festbrennweite ab mindestens 1:2,8, besser aber noch größerer Blende. Ob 50 mm oder wenn man weiter weg ist auch 100 mm oder mehr, Hauptsache die Linse lässt viel Licht durch.

Um dennoch bei diffusen bis dunklen Lichtverhältnissen aus der Hand noch wackelfrei arbeiten zu können, sollte die Lichtempfindlichkeit des Films oder Chips recht hoch sein. Im Digitalen, welches meine Art der Fotografie ist, kann man erst ab ISO 1600 und mehr vernünftig arbeiten. Doch selbst ISO 6400 stösst leicht an seine Grenzen.
Selbst bei der besten Kombination von Lichtstärke und -empfindlichkeit bleiben Belichtungszeiten von maximal 1/60 s kaum aus. In lichten Momenten, wenn es der Mixer will, können selten auch mal 1/125 s oder gar 1/250 s herauskommen, doch darf man das keineswegs erwarten.

PackEis - Rabenkopf Open Air 2011

Am Ende ist es, neben dem Fotografen, der Autofokus, der sich im Zwielicht regelrecht abrackern muss. Auch hier ist High-Speed und hohe Empfindlichkeit gefragt. AF-Hilfslicht dagegen, ist zusammen mit dem Blitz gefälligst auszuschalten, denn nichts nervt mehr, als bei jedem Druck auf den Auslöser von einem grellen Schein geblendet zu werden. Manuell zu fokussieren, ist nur etwas für Katzen oder Fotografen mit katzenhaften Augen. Dem Autofokus die Servoeinstellung zu gönnen kann unter Umständen nicht schaden, um einfach schnell auf wechselnde Motive reagieren zu können. Ich bevorzuge weiterhin den One-Shot-Fokus und habe mir den Fokustaster auf den „Back-Button“ gesetzt. So kann ich fokussieren und nachführen. Mit ein wenig Übung geht das recht schnell vonstatten.

Wer nun denkt, dass Bildrauschen dann jedes noch so schöne Motiv kaputt macht, sollte sich darüber klar werden, dass Konzertfotos einer Rockband (oder auch anderer Musiker) wohl kaum für Hochglanzmagazine oder riesige Plakate gedacht ist. Aber selbst das ist im Grunde mit der entsprechenden Auflösung der Kamera und mit der passenden Nachbearbeitung auch heutzutage kein wirkliches Hindernis mehr. Oder man kann der Körnung oder dem Rauschen einen gewissen Reiz abgewinnen, so wie ich.
Bewegungsunschärfe (nicht Verwackeln!) aufgrund der hohen Belichtungszeiten sind meines Erachtens ein absolutes Muss für die stimmige Bildgestaltung, wenn richtig gerockt wird. Daher keine Angst vor Wischiwaschi.

RoughZone 2011

 Oh ja, die Nachbearbeitung. Nachbearbeitung ist für mich persönlich immer ein Muss. Egal wie und was ich fotografiere. Sie gehört zum fotografischen Prozess dazu. Schlicht und ergreifend. Jeder wie er will, aber das pure Foto aus der Kamera lässt selbst bei bester Profitechnik oft sehr zu wünschen übrig. Flau die Kontraste, matt die Farben, flach die Tonwerte.

Bei den sehr häufig bunten Lichtorgien eines Bühnenevents, kommt es nicht selten vor, dass die Fotos roh aus der Kamera aussehen, als seien sie durch den entsprechenden Farbfilter belichtet. Wo unser Auge oder besser das Gehirn solche krassen Farbstiche und -tönungen geschickt auszugleichen weiß, finden die Photonen gänzlich ungeniert und ungefiltert den Weg zum Chip (oder Film). Solche Fotos sehen hinterher nur wenig realistisch aus.

Also, bleibt einem als Fotograf oft nur der Griff in die Trickkiste der (digitalen) Dunkelkammer. Aber auch dabei fängt es schon an, wie das Motiv auf das Aufzeichnungsmedium gelangt. Bei klassischem Film gibt es da sicher auch spezielle Materialien, doch ich bevorzuge die digitale Speicherung im RAW-Format. Hier bleibt das komplette Spektrum der nachträglichen Überarbeitungsmöglichkeiten der meisten Eigenschaften des Fotos erhalten. Mit JPEG wäre man schon beim Weißabgleich zu sehr eingeschränkt. Rauschreduzierung nahezu unmöglich, Tonwertbereiche erheblich verringert. Zumal durch die Kompression in vermeintlich schwarzen Bereichen keine Details mehr zu erwarten wären, wo man bei RAW oft noch Zeichnung herausholt. RAW ist bei der Dynamik eines Rockkonzerts jedoch ebenfalls nur mit einem schnellen Aufnahmemedium der entsprechenden Kamera und dem genügend großen Puffer erst richtig lustig.  

PackEis - Dudelsack 05/2012

Ich selbst bin noch ein gutes Stück vom für Konzerte optimalen Equipment entfernt und es ist bei manchen Ereignissen nur der Masse an geschossenen Fotos zu verdanken, dennoch eine gute Ausbeute an brauchbaren Endprodukten erlangt zu haben. Daher gehört abschließend zur Materialschlacht natürlich – wie immer – die Fähigkeit des Fotografen dazu, die richtigen Momente zu sehen und mit schnellem Reaktionsvermögen das Motiv festzuhalten. Wobei ich auch hier ständig einem Lernprozess ausgesetzt bin.
Und im Grunde kann man – eben wie immer – all die guten Ratschläge wieder vergessen und einfach den eigenen Ansprüchen gemäß und mit dem was einem zur Verfügung steht, gute Fotos machen. „Gut“ im Sinne des Betrachters.

Für mich gilt das Gesagte und all das macht Konzertfotografie für mich zu einem Erlebnis.

%