Alle Jahre wieder

by cfk

Immer in der Advents­zeit werde ich gefragt, wel­ches Ver­hält­nis ich zu Weih­nach­ten habe. Und jedes Mal ant­worte ich, daß ich eigent­lich kein Ver­hält­nis zu Weih­nach­ten habe. Oder bes­ser gesagt, ist mein Ver­hält­nis zu Weih­nach­ten indif­fe­rent.
Seit die Kleine auf der Welt ist, wurde Weih­nach­ten zumin­dest für mich wie­der ein Fami­li­en­fest. Süße, unsere Fami­li­en­ma­na­ge­rin ist im Streß, weil eine Woche vor Hei­lig Abend, die häus­li­che Rein­heit und das Fest­es­sen gema­nagt wer­den müs­sen. Deko und Geschenke wer­den wohl­weis­lich schon recht­zei­tig, oder wie es heute in Mana­ger­krei­sen gerne heißt, “zeit­nah” besorgt. Die Besche­rung und das Fest­es­sen wer­den dann zusam­men mit Eltern und Schwie­ger­el­tern zele­briert. Klas­sisch und ein biss­chen spie­ßig viel­leicht, aber wie es sich gehört.
Ohne unsere Kleine jedoch wäre mir Weih­nach­ten genau­ge­nom­men ziem­lich gleich. Ich bin nicht reli­giös und mit dem Kon­sum­wahn habe ich, Gott (oder wem auch immer) sei’s gedankt, nichts am Hut.
Aber das ist es eben für mich, ein Fami­li­en­fest. Ohne Fami­lie kein Fest.
Viele wis­sen aber wahr­schein­lich gar nicht mehr, daß man Weih­nach­ten ursprüng­lich ein­mal fei­erte, weil damit quasi die Geburt Jesus Chris­tus all­jähr­lich jubi­liert wird und nicht weil man dann end­lich einen Anspruch auf den neus­ten iPod, einen Com­pu­ter, ein Bril­lan­t­arm­band oder sons­ti­gen unnüt­zen Kleinod per Wunsch­zet­tel gel­tend machen kann.
Was? Nicht gewußt?
Auf jeden Fall fei­ert man die Geburt einer durch­aus sehr bekann­ten Per­sön­lich­keit, die zu Leb­zei­ten ein Menge Furore um sich machte.
Und das ist schon sel­ten. Wenn nicht sogar ein­zig­ar­tig. Denn sonst fal­len Jubel­tage immer auf ein Datum an dem eine mehr oder min­der bekannte Per­son gestor­ben ist.
Zum Bei­spiel das vor­ad­vent­li­che Mar­tins­fest, daß tra­di­tio­nell auf den 9. Novem­ber und damit auf den Todes­tag des edlen Hei­li­gen fällt, der einst ein Stück Stoff auf unor­tho­doxe Weise hal­bierte, um damit Gutes zu tun.
Es gibt genü­gend andere Bei­spiele.
2005 bekannte man als das “Ein­stein­jahr”, zum 50. Jah­res­tag seit Able­bens des Wun­der­hirns. (Okay, rein zufäl­lig auch, da die Rela­ti­vi­täts­theo­rie stolze 100 Jahre wurde.)
Oder 1991. Mozart­jahr zum 200. Todes­tag des Wun­der­kin­des. Eben­falls 2005 war Schil­ler­jahr, der bis dahin 200 Jahre zuvor — und noch­mal: oh, Wun­der — das Zeit­li­che seg­nete.
Ich halte das Fei­ern des Todes sol­cher Leute irgend­wie für mor­bide oder wenigs­tens pie­tät­los. Im Ernst, wieso wer­den Jubi­läen von gro­ßen Herr– und Frau­schaf­ten immer auf den Todes­tag gelegt?
Bei sol­chen Grö­ßen der Geschichte ist es sicher schwie­rig ein Jubel­da­tum zu fin­den, an dem der– oder die­je­nige etwas Groß­ar­ti­ges her­vor­ge­bracht hat, da es gerade bei den Genann­ten nicht bei einer ein­zi­gen Errun­gen­schaft blieb. Obwohl ich sol­che Anlässe als Grund zum Fei­ern sinn­vol­ler finde.
Sind es doch genau diese geis­ti­gen, tech­ni­schen und mensch­li­chen Leis­tun­gen eine Berei­che­rung unse­rer Gesell­schaft, Kul­tur oder Wis­sen­schaft gewe­sen, also ist der Tod eines gro­ßen Men­schen eher ein Tag zum Trau­ern.
Wieso wird nicht die Geburt her­aus­ra­gen­der Men­schen der Geschichte gefei­ert, genau wie es jedes Jahr am 24. Dezem­ber getan wird?
Dem soge­nann­ten Heil­land der neu-christlichen Mytho­lo­gie wid­met man jedoch gleich zwei Fei­er­tage. So gedenkt man zumin­dest an Kar­frei­tag eben­falls sei­nes Dahin­schei­dens. Wobei Jesus Chris­tus eine Son­der­stel­lung ein­nimmt, indem er “am drit­ten Tage”, also für uns am Oster­sonn­tag angeb­lich auf­er­stand. So heißt es wenigs­tens in ein­schlä­gi­ger Lite­ra­tur.
Mehr Bedeu­tung sollte dem Todes­tag uner­wünsch­ter Per­so­nen beige­mes­sen wer­den, auch wenn dies sicher gesell­schaft­lich nicht son­der­lich eta­bliert ist. Für mich ist das aber nahe­lie­gen­der.
Den Tod Hit­lers zum Bei­spiel oder von ande­ren graus­li­gen Gestal­ten der Mensch­heits­ge­schichte, wäre sicher für die Meis­ten ein Grund zum Fei­ern. Auf der ande­ren Seite möchte man an der­art ent­ar­tete Gesel­len lie­ber nicht regel­mä­ßig erin­nert wer­den.
Trotz­dem plä­diere ich für ein Umden­ken beim fei­er­li­chen Geden­ken an die Per­sön­lich­kei­ten unse­rer Geschichte.
Sollte ich ein­mal berühmt sein, möchte ich auf jeden Fall nicht auf­grund mei­nes Todes all­jähr­lich gewür­digt wer­den, son­dern für die Leis­tung, die ich der Gesell­schaft erbracht haben sollte. Obwohl es mir, wenn ich in der Grube liege ziem­lich schnuppe sein könnte. Aber ein gutes Gefühl habe ich dabei nicht.

In die­sem Sinne:
FROHE WEIHNACHTEN!