Rock ’n‘ Cover

Die Lichtverhältnisse sind mies. Viel zu mies, um überhaupt auch nur ein gescheites Bild zu erhalten. Ohne Blitz. Mit rasanten Bewegungen im Motiv. Belichtungszeiten, bei denen jeder halbwegs vernünftige Fotograf Dir nur den Vogel zeigt, wenn Du ernsthaft ohne Stativ fotografieren willst. Ohne Verwackeln.

Doch das sind nun mal genau die Bedingungen, die man bei Livekonzerten mit Rock- und Popbands vorfindet. Und beim 1. Fürfelder RockFEST, organisiert und präsentiert vom neu gegründeten FEST e.V. (Fürfelder Event & Support Team), war SIX’01 als Coverband noch vergleichsweise leicht zu fotografieren. PackEis (wieder mal) hat in Matthias einen Sänger, der mit Sicherheit nicht wegen eines Fotos still stehen möchte.

Dennoch scheinen mir wieder einmal ein paar interessante Schüsse gelungen zu sein. Doch das Ziel ist es, in Zukunft mit einer Vollformatkamera und höherer Lichtempfindlichkeit als mit meinen mickrigen ISO 1600 etwas gezieltere Aufnahmen machen zu können. Man geht doch sonst sehr auf Masse und hofft auf eine hohe Ausbeute. Funktioniert zwar, ist aber anstrengend beim Sichten und Bearbeiten. Und diesmal rettete ich mich nicht in das vereinfachende Schwarz-Weiß, sondern versuchte die Lichtstimmung aus den Bildern hervorzuheben. Für mich persönlich ein gewagter Schritt, aber ich glaube, auch dieser scheint mir gelungen zu sein.

Lange Rede…hier die Fotos. Blättern startet wie immer mit Klick auf eine Vorschau.

The Old Truck

Ich bin alt. Ich erblickte 1952 das Licht der Welt. Glaube ich. Ich hatte meine Zeit. Vor langer Zeit. Ich erinnere mich schon nicht mehr daran.

Man brauchte mich. Ich war immer stark und kraftvoll. Ich arbeitete jeden Tag, den ganzen Tag. Niemals wurde ich müde. Niemals beklagte ich mich darüber. Sie waren stolz auf mich.
Doch irgendwann kamen die Jungen. Sie waren besser. Das ist fast immer so. Ich nahm es ohne Verbitterung und doch bedeutete dies das Ende. Ein langsames und schleichendes Ende.

Ich habe keine Schmerzen. Auch wenn vieles nicht mehr intakt ist, manches bereits entfernt und ausgetauscht. Viel schlimmer ist es für mich, dass man sich einfach nicht mehr an mich erinnert. Ich merke das. Niemand kommt mehr zu mir und erfreut sich an meinem Anblick. Niemand braucht mehr meine Kraft, meine unermüdliche Energie. Ich habe keine Kraft mehr, keine Energie. Man hat mich verlassen. Ich bin einsam.

Ich bin alt.

Doch vor einiger Zeit hörte ich sie über mich reden. Man erzählte von mir und meiner Zeit. Von damals. Hatte man mich doch nicht vergessen? Würden sie wiederkommen und mich wieder brauchen?
Ich konnte nicht verstehen, worüber sie noch sprachen, warum sie über mich sprachen. Vielleicht wollten Sie mich holen, um mich endgültig wegzubringen. Dann war es auch schon wieder vorbei. Und sie kamen nicht, um mich zu holen. Um mich zu brauchen. Es schien, als wären es nur kleine Erinnerungen an früher gewesen.

Eines Tages jedoch, bemerkte ich seine Anwesenheit. Er bahnte sich seinen Weg zu mir. Durch all das Gestrüpp, das mich seit ewiger Zeit zugewuchert hatte. Wie dieser Prinz, der Dornröschen befreite. Eine Geschichte, die sie ihren Kindern erzählten.

Mit lautem Getöse wurde es licht um mich herum. Ich bekam zuerst Angst, man würde mich nun doch holen und mich für immer fortbringen.
Nach und nach fielen die mannshohen Unkrautstauden und lagen schnell verdorrend in weitem Umkreis um mich herum. Und da merkte ich, wie er mich voller Neugier, Interesse und Begeisterung anschaute. Ich erinnere mich nicht mehr daran, wann mich zuletzt jemand so betrachtete. Ich spürte, dass er es ernst mit mir meinte und seit vielen Jahren überkam mich erneut der alte Stolz, doch noch gebraucht zu werden.
Als er ging, dachte ich zuerst, sein Interesse sei bereits erloschen. Wie beim letzten Mal. Doch irgendwie wusste ich auch, dass dies nur der Anfang von etwas war, das ich noch nicht erahnen konnte.

oldtruck-1

Am nächsten Tag kam er wieder. Und er brachte seine Freunde mit. Sie lachten und schienen ebenso begeistert und fasziniert von mir, dass ich vor Spannung und Freude kaum denken konnte. Sie blieben mehrere Stunden. Sie saßen und standen auf mir, kletterten in mich hinein, lehnten entspannt an mir und manchmal streichelten sie sogar fast zärtlich mein altes, rostiges Gerippe.
Ein anderer fotografierte sie. Und mich. Das war mehr als ich je hätte erträumen können. Sie würden diese Bilder anderen zeigen. Und mich.

Als sie dann gingen, wusste ich, dass sie wiederkommen würden und womöglich sogar andere. Sie interessierten sich wieder für mich.
Ich bin alt. Aber sie brauchen mich.

Bandshooting mit PackEis

PackEis und Tazer im Dudelsack Bad Kreuznach

Ja, PackEis rockte wieder und ich war ebenfalls wieder mit der Kamera dabei. Mich begeistert – außer der Musik – welche Erfahrungen diese Band auf ihrem Werdegang macht und wie auch ich von der Kreativität und der Begeisterung angesteckt werde. Nicht umsonst, erscheint es, als gäbe es hier kein anderes Thema.

Wie auch immer, entstanden wieder einmal massig Fotos, von denen ich hier wieder eine Auswahl zum Besten gebe. Als Vorgruppe spielte erneut Tazer, die ebenfalls ordentlichen Rock’n’Roll bieten. Ich freue mich auf deren erste CD.

Der kleine Wermutstropfen, der bei mir für etwas Ärger sorgte, hat sich schnell verflüchtigt und PackEis bekam trotz Hin und Her recht gute Promotion in den regionalen Tageskäseblättern.

Nun aber zu den Fotos. Viel Spaß.
(Klick auf das Thumbnail für vergrößerte Ansicht)

Selbstbedienungs-Journalismus

Die ganze Diskussion um das Urheberrecht, welche im Netz, in der Gesellschaft und der Politik geführt wird, geht mir im Moment ziemlich auf den Geist. Insbesondere, da Meinungen und Aussagen immer häufiger verzerrt, vermischt oder aus dem Kontext gerissen werden. Also im Grunde wie bei allen anderen Themen auch, wenn es heiß und kontrovers zugeht.

Ich habe zwar eine ganz eigene Einstellung dazu, halte mich aber vom verbalen Kampfgetümmel zwischen den einzelnen Meinungsparteien fern. Doch nun geriet ich am Wochenende erneut selbst in den Entscheidungszwang, wie ich mit meinem Urheberrecht bezüglich von mir gemachten Fotos umgehen soll. Ich war und bin verärgert und verunsichert.
Aber kurz zum Hintergrund.

Am Samstag spielte meine Lieblings-Rockband PackEis in Bad Kreuznach im Musikkeller „Dudelsack„. Eine für die Provinz recht bekannte und einschlägige Plattform für junge Musikkünstler aller Art, die damit eine Chance haben, sich einem vergleichsweise „großen“ Publikum zu präsentieren.

Wie dem auch sei, PackEis spielte dort und es war wieder einmal ein großartiges Konzert, der ebenfalls noch recht „jungen“ Band. Mir gefällt es zumindest.
Da ich quasi zum inoffiziellen fünften Bandmitglied zähle, war es für mich erneut eine gute Gelegenheit den Auftritt durch Fotos zu dokumentieren und schoss fleißig Bilder (demnächst auf diesem Kanal).
Am Ende der Veranstaltung – man stand natürlich noch mit kühlen Getränken zum Plausch beisammen – trat ein freier Journalist dazu, der Artikel und Reportagen für die regionalen Zeitungen schreibt. Dieser, so seine Begrüßung, sei wohl zu spät gekommen, obwohl er Material für einen Beitrag sammeln wollte und nun diesen besonders mangels Foto nicht schreiben könne. Weil die Band die potentielle Werbung schwinden sah, wurde dahingehend schnell auf mich verwiesen.

Und nun kam es zu dem Ärgernis.

Der Journalist fragte zwar anfangs freundlich nach, ob ich ihm ein Foto für den Artikel zur Verfügung stellen könne, doch auf meine Bitte zumindest mich als Urheber zu nennen wiegelte er prompt mit einem „das geht partout nicht“ ab. Mir ist bewusst warum, denn sehr wahrscheinlich kann er für ein fremdes, nicht von ihm erstelltes Foto von der Redaktion der Zeitung kein Honorar verlangen. Geschweige denn, müsste er unweigerlich einen mühsamen Nutzungsrechtevertrag besiegeln, welches ihm und vor allem der Zeitung das Recht zu Veröffentlichung einräume. So zumindest nach deutschem Recht.
Dennoch geriet ich hier in einen Interessenskonflikt. Zum einen gönne ich meiner Lieblingsband die potentielle Promo aufgrund eines Artikels in einer Regionalzeitung mit recht hoher Auflage, dennoch wollte ich nicht, dass ein anderer mit meinem Foto stinken geht und dafür sogar noch Tantieme einsackt, während ich leer ausginge. Denn trotz meiner Bedenken kam die Journaille mir mit keiner möglichen Alternative entgegen. Nicht, dass ich unbedingt Geld für mein Foto haben wollte, aber ein vernünftiges Geschäftsgebahren sieht für mich anders aus.
Desweiteren schien er ebenfalls wenig erbaut, dass ich ihm das Foto – wenn überhaupt – frühestens am Abend des Folgetages zur Verfügung stellen könnte. Sichtung, Bewertung, Auswahl und Nachbearbeitung von rund 200+ Fotos, wie sie bei diffusen Lichtbedingungen und der Dynamik eines Rockkonzerts gerne anfallen, um wenigstens ein paar brauchbare zu haben, ist zwar heutzutage mit den passenden Software-Tools keine Mühe mehr, kostet aber Zeit. Und Muttertag war auch noch.
Im Ernst: was denkt sich jemand, der einfach so angeschlurft kommt, das Ereignis verpasst und dann noch mosert, dass er das Foto nicht so bekommt, wie es ihm passt.

Liebe Journalisten, ich hoffe inständig, dass es sich hier nicht um ein Standard-Verfahren handelt. Ich verstehe, dass Journalismus ein Geschäft auf Zeit und Geld ist, aber wie mit Material anderer umzugehen ist, hat doch bitte schön auch mit einer gewissen Ethik zu tun. Ich halte mich nicht für einen Profifotografen, da ich derzeit nur sporadisch meine Leistung als Fotograf mit wirtschaftlichen Interessen verbinde, bin jedoch auch kein Hobbyknipser, der ein paar Schnappschüsse eines Konzerts macht, sondern setze diese mit einem gewissen kreativen Anspruch um. Diese Art und Weise, wie man Fotos anderer erhascht und verwertet, grenzt an „kleine“ Piraterie, da fremde Fotos als die eigenen verkauft werden.

Dies ist womöglich nur ein besonderer Fall, da es mir frei stand ein Foto abzugeben, aber im Sinne der Band die Promotion ermöglichen möchte. Die Fotos dienen im Grunde diesem Zweck, jedoch mehr der „künstlerischen“ Darstellung und weniger der Dokumentarischen.

Für die Band und mich, haben wir nach dieser Aktion ein Verfahren abgesprochen, wie wir in Zukunft damit umgehen. Doch ärgert mich dieses Selbstverständnis des Journalisten sich einfach zu bedienen ohne Möglichkeiten der Vergütung oder ähnlich angemessene Alternativen.
Ich würde es ernsthaft begrüßen, dass es sich hierbei nur um einen Einzelfall handelt, ansonsten wäre das ein Armutszeugnis für den freien Journalismus.

UPDATE 15.08.2012:

Leider ist dies wohl kein Einzelfall und wohl auch gängige Praxis bei den „Großen“, wie Paddy nun ebenfalls leidvoll berichtete.

Backstage

Man könnte meinen, dass ich Haus- und Hof-Fotograf der Rockband PackEis sei, so oft wie ich eine Fotoserie der Jungs bringe. Vielleicht ist das auch so und ich bin in der Tat gerne mit den Musikern zusammen. Mir gefällt die Musik und ich freue mich, wenn es im Laufe der Zeit immer mehr Rockfans gibt, die PackEis gerne hören. Daher auch die „stille“ Promo meinerseits.

Ich war auch diesmal wieder bei einer Probe im Proberaum dabei und fing nebenbei ein paar Schnappschüsse ein.

packeis-backstage-9

Good Old Blues

Ich bin kein ausgesprochener Blues-Kenner, aber ich liebe gute Musik. Ganz gleich welchen Stils. So bekamen wir erneut beim alljährlichen Blues im Hof mit genialer, handgemachter Mucke die Ohren voll.

Bei dem Musik-Ereignis, welches an allen Samstagen im Juli stattfindet, wird ein winziges Dorf in der Rheinhessischen Provinz Mittelpunkt der Größen der internationalen Blues- und Jazz-Szene. Am letzten Samstag war es Big Daddy Wilson, der mit sonorer Soul-Stimme den guten alten Blues zum Besten gab.

Allen Nicht-Blues-Fans sei gesagt, dass es hier keineswegs nur traurig und schwermütig zu sich ging. Big Daddy Wilson und seine Band brachten das Publikum teilweise ordentlich in Fahrt.

Die Stimmung habe ich erneut versucht mit ein paar Fotos einzufangen (Klick auf ein Bild für große Ansicht). Natürlich fehlt hier der fantastische Unplugged-Sound, den ich nur empfehlen kann.

Big Daddy Wilson 2011

Packeis – Rabenkopf Open Air 2011

Zum zweiten Mal stand die rheinhessische Rockband PackEis nun auf der Bühne und ich durfte den Auftritt mit der Kamera begleiten.

Beim Rock-Festival „Rabenkopf Open Air“ in Wackernheim (Nähe Mainz), bei dem weitere vier Bands auftraten, präsentierten die vier Musiker neben einigen neuen Titeln vor allem ihr erstes Album „Collision Guaranteed“.

Man spürt regelrecht die Motivation der Band endlich live spielen zu können und ich hoffe, dass dies der Beginn einer ganzen Serie von Auftritten sein wird.
Diesmal mit zwei Kameras an unterschiedlichen und wechselnden Positionen sind einige Fotos entstanden, wovon ich hier eine kleine Auswahl präsentieren möchte.

Stadtmusikanten

Grundsätzlich kann ich von mir behaupten, einen vielseitigen Musikgeschmack zu haben, der von Alternativ über Blues, Klassik, Pop und Rock, Jazz, ja sogar Heavy Metal bis zum Zitherspiel für die gesamte Tonleiter musischer Qualitäten ein offenes Ohr hat.

Da gibt es natürlich auch konkretere Vorlieben, dennoch bin ich sehr flexibel. Musik gehört quasi bei mir zum Leben, wie gutes Essen und Trinken. Daher habe ich es mir auch nicht nehmen lassen, ausnahmsweise dem allgemeinen Trend der Digitalisierung zu folgen und mir einen tragbaren MP3-Player zugelegt. So habe ich wo und wann immer ich will die Möglichkeit mich berieseln zu lassen. Und genau da ist das Problem: wenn ich WILL.

Es gibt also logischer- und sicher auch verständlicherweise Momente, in denen ich eben KEINE Musik hören will. Und das aus gutem Grund. Besonders trifft dies zu, wenn ich die seltene Gelegenheit erhaschen kann, gemütlich in einem Café oder Bistro zu sitzen und einen Latte Macchiato oder Cappucino genieße. Gerade im Sommer, wenn die Lokalitäten ihren Gästen im Freien freie Plätze anbieten. Dies sind Momente, in denen ich entweder abschalten, den Gedanken nachhängen, mit meiner Liebsten plauschen oder den „Voyeur“ bei den geschäftigen Leuten spielen darf. Mit einfachen Worten: die Seele baumeln lassen.

Doch leider gibt es im Sommer außer Tauben noch andere Plagegeister auf den Plätzen der Stadt: sogenannte Straßenmusiker.
Oh, Moment. Bevor ich ungerecht erscheine, möchte ich ausräumen, daß ich keineswegs alle Straßenmusiker schlechthin über einen Kamm scheren möchte. Im Grunde respektiere ich die Leistung und den Mut dieser Leute. Doch gibt es unter Straßenmusikern nicht nur „Friedenstauben“, sondern auch welche von ganz anderem Schlag. Es sind diejenigen, die meist im Hintergrund der Bistro-Idylle lauern und sich just in dem Moment auf ihre Opfer stürzen, wenn die nach Kaffee dürstenden Gäste gerade die Bestellung aufgegeben und damit keine Chance auf Flucht mehr haben. Sie bauen ungefragt ihre Instrumente auf und plärren munter ihr Repertoire unaufgefordert über die Köpfe und in die Ohren der Leute. Ausgerechnet dann, wenn man einfach nur seine Ruhe haben möchte.
Auch hier ist die Bandbreite der Musikstile und dahingehend der Instrumente schier unerschöpflich. Solisten bis Quartetts, ja ganze Orchester habe ich schon erlebt. Jedoch ist das Spektrum der spielerischen und sängerischen Qualitäten häufig eher beschränkt. Wie ich bereits erwähnte, bewundere ich bei manchen auch den Mut.

Als abschreckendes Beispiel dienten hierfür neulich zwei eher orientalisch aussehende Gesellen, einer mit Gitarre (?), der andere mit seiner Stimme (?) bewaffnet. Der Angriff erfolgte mit dem Gassenhauer „Marina, Marina“. Auch wenn der Titel per se schon nicht die passende Zielgruppe traf, war diese „Interpretation“ des Songs gleichfalls unpassend und kakophonisch vorgetragen. Mein Italienisch reicht sicher gerade mal, um die Speisekarte der nächstbesten Pizzeria zu entziffern, doch was ich da zu hören bekam, konnte sicher auch ein waschechter Sizilianer nicht verstehen.

„Oh, no, no, no, no, no.“

Trotzdem muß man sich diese Dissonanzen antun, bis einem das Blut aus den Ohren läuft, das Duo selbst das Weite sucht oder mit ein bißchen Glück ein Sizilianer unter den Gästen weilt, der spontan seinen Geigenkasten zückt, um in diese Runde „einzustimmen“.

In meiner Wahlheimat Mainz gibt es derweil ein ganz besonderes Exemplar, der Sorte „Möchtegern-Musiker“, der sich seinen Spitznamen um Grunde selbst zu verdanken hat: Herr „Weißrussland“. So steht es zumindest auf dem Schild, daß er beim „Musizieren“ vor sich stehen hat. Weißrussland.
Was unser „Freund“ aus Osteuropa mit dem Schild bezwecken will, weiß wohl nur er selbst. Will er damit etwa andeuten, er sei ein armer Vertriebener, der außer seinem „Talent“ und seiner schäbigen Gitarre nichts mehr hat? Möchte er damit vielleicht Mitleid erwecken, damit er nicht wieder vertrieben wird? Es gibt sicher genug, die ihn am besten gleich bis nach Sibirien treiben würden, wenn er zu spielen beginnt. Hört man ihn das erste Mal, ist es vermutlich noch ganz erträglich. Seine „Weisen“ klingen, wie vom Wind getragen, wenn seine Akkorde vom angeschlossenen Effekt-Gerät „sphärisch herüberwehen“. Außerdem hat er auch ein recht umfangreiches Repertoire, anders als die Marina-Interpreten aus den Landen von tausend und einer Nacht, aber nur einem Song. Leider verkommt dieses Portfolio an ausgesuchten Musikstücken durch den Hall-Effekt seines Verstärkers zu einem eintönigen Medley. Manchmal kann man den Titel des gespielten Stückes nur erahnen. Desweiteren tendiert sein Gesichtsausdruck meist schwermütig Richtung „Moll“. Die Verschmelzung der Melodie und jeglichen Rhythmus‘ mit dem Echo-Klang deprimiert auch das unfreiwillige Publikum. Bis ER die meisten davon ebenfalls vertrieben hat.

Zu allem Überdruß reichen die Stadtmusikanten auch noch den Klingelbeutel herum. Wofür wollen diese Leute auch noch mein sauerverdientes Kleingeld? Als Erpressung, damit sie endlich das Weite suchen? Wir sollten das bei denen tun, um für das angerichtete Übel Spenden zu sammeln, damit wir uns später die Hörgeräte leisten können, die wir mal brauchen werden.
Von mir bekommen so welche kategorisch auf jeden Fall nichts. Ich habe nämlich solche Alleinunterhalter nicht bestellt. Ich möchte nur meinen Cappucino schlürfen.

Ich bin echt froh, wenn der Herbst kommt und die Bistros ihre Außengarnitur einmotten. Dann bringen auch die schrägen Vögel ihre Instrumente ins Pfandhaus. Dann kann mich nur noch eine der dreisten S-Bahn-Combos auf die Palme bringen. Hin und wieder tauchen diese in den Zügen auf, fahren zwei bis drei Stationen schwarz, um sich mit ohrenbetäubenden Getöse das Kleingeld der Fahrgäste zu ergattern. Sicher nicht, um sich dann doch ein Ticket zu kaufen.
Trickreich sind die Typen schon, denn im Zug hat man gemeinhin noch seltener die Chance für eine rasche Flucht.
Da hilft nur noch eins: die Ohrstöpsel des MP3-Players hinein, Lautstärke auf Anschlag und Heavy Metal bis das Trommelfell platzt.

Endlich Ruhe. Willkommen im Land der Stille.